Wissenschaftlicher Hintergrund

Die empfundene Attraktivität eines Produktes rückt bei Usability-Untersuchungen mehr und mehr in den Vordergrund. Bisherige Evaluationsverfahren beschränken sich im wesentlichen auf Bedienbarkeit (pragmatische Qualität).

Benötigt wird heute ein Evaluationsverfahren, mit dem sowohl die wahrgenommene pragmatische, als auch die hedonische Qualität und die Attraktivität eines interaktiven Produktes erfasst werden kann.

Ein theoretisches Arbeitsmodell (vgl. Abbildung 1) zeigt, wie aus der wahrgenommenen pragmatischen und hedonischen Qualität der subjektive Eindruck der Attraktivität und daraus die resultierenden Konsequenzen in Bezug auf Verhalten und Emotion entstehen.

Das Modell trennt vier wesentliche Aspekte:

  1. Durch den Gestalter intendierte Produktqualität
  2. Subjektive Qualitätswahrnehmung und -bewertung
  3. Voneinander unabhängige pragmatische und hedonische Qualität
  4. Verhaltens- und emotionale Konsequenzen

Arbeitsmodell
Abbildung1: Arbeitsmodell zur Entstehung des Eindrucks der Attraktivität beim Benutzer und der möglichen Konsequenzen des Attraktivitätseindrucks (© User Interface Design GmbH)

Das theoretische Arbeitsmodell wurde von Prof. Dr. Marc Hassenzahl und Kollegen in mehreren Studien untersucht und geprüft.

Zur Messung wurde AttrakDiff-1 verwendet, ein eigens konstruiertes Messinstrument im Format eines semantischen Differenzials. Es besteht aus 23 siebenstufigen Items, deren Endpunkte jeweils durch ein gegensätzliches Adjektiv gebildet werden (z.B. "verwirrend - übersichtlich", "außergewöhnlich - üblich", "gut - schlecht"). Jeweils mehrere Items werden zu einer Skala zusammengefasst.
Der jeweilige Mittelwert der Itemgruppen bildet den Skalenwert für pragmatische Qualität (PQ), hedonische Qualität (HQ) und Attraktivität (ATT).

Die Studien zeigten, dass hedonische und pragmatische Qualitäten konsistente und unabhängig voneinander wahrgenommene Qualitäten sind. Beide trugen gleichstark zu dem Attraktivitätsurteil bei.

Im Laufe der Erprobung und Anwendung des AttrakDiff-1 wurde deutlich, dass eine Trennung der beiden Aspekte, aus denen sich hedonische Qualität zusammensetzt, nämlich Stimulation und Identität, wünschenswert wäre.

Darauf aufbauend wurde der hier vorliegende AttrakDiff™ entwickelt, der als wesentliche Optimierung die Unterscheidung von Stimulation und Identität innerhalb der hedonischen Qualität unterstützt (siehe auch Publikationen).